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Altlandsberger Münzschatzfund
auf dem Domänenhof im Schlossgut

Erstpräsentation 21.12.2016
Kulturministerin Münch präsentiert gemeinsam mit Altlandsberger Bürgermeister Jaeschke bedeutenden mittelalterlichen Münzschatzfund

Kulturministerin Martina Münch hat heute in Altlandsberg (Märkisch-Oderland) gemeinsam mit dem Altlandsberger Bürgermeister Arno Jaeschke, dem Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums, Franz Schopper, und dem Leiter des Archäologiebüros ABD-Dressler, Torsten Dressler, einen bedeutenden mittelalterlichen Münzschatzfund präsentiert. Mit insgesamt 7.450 Münzen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert ist der Münzfund der größte, der bisher in Brandenburg entdeckt wurde. (Zitat aus der Pressemitteilung MWFK Brandenburg vom 21.12.2016)

Torsten Dressler, Leiter des Archäologiebüros ABD-Dressler:

„Die Entdeckung und Bergung des Altlandsberger Münzschatzes während der Sanierung des Schlossgutes war für meine Mitarbeiter und mich ein sehr großer Glücksmoment.
Durch die genaue Dokumentation des Fundortes und Auswertung der rund 7.500 Münzen kann der archäologisch-historische Kontext sehr gut erschlossen werden.
Wir freuen uns und es erfüllt uns mit Stolz, mit diesem bislang bedeutendsten Münzfund Brandenburgs einen wichtigen Bau-stein für die Erforschung der Landesgeschichte und Heimat beigetragen zu haben.“

Hintergrund zum Münzschatzfund:

Derzeit laufen auf dem Gelände des Schlossgutes in Altlandsberg im Bereich Domänenhof Tiefbauarbeiten unter archäologischer Baubegleitung und Dokumentation durch das Archäologiebüro ABD-Dressler für die Neugestaltung der Außenanlagen.
Am 07.11.16 wurde vor dem Brau- und Brennhaus beim Abtrag von Torfsandschichten in ca. 1 m Tiefe ein vergrabener mittelalterlicher Münzschatz gefunden.

Dieser bestand aus einem in den Torf eingegraben spätmittelalterlichen Standbodengefäß aus roter Irdenware und brauner Innenglasur, randvoll gefüllt mit spätmittelalterlichen Silber- und Goldmünzen.
Der oberste Rand des Gefäßes war beschädigt, wahrscheinlich ist es schon in früherer Zeit durch die Last der Deckschichten zerdrückt worden.

Die 7450 Münzen im Gefäß lassen sich in drei Haupttypen und mehrere Untertypen einteilen:
11 Goldmünzen mit einem Einzelgewicht zwischen 3,31 und 3,53 g
13 Prager u. Meißner (Silber-) Groschen
verschiedener Prägungen mit einem Einzelgewicht zwischen 2,51 g und 3,52 g
7.426 (silberne) Hohlpfennige mit einem Gesamtgewicht von 2,350 kg; die einzelne Münze wiegt nur ca. 0,31g

Bei den Goldmünzen handelt es sich um 10 rheinische Gulden, ausgebracht vom Rheinischen Münzverein der Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier ab 1386.
Sie sind nur wenig abgegriffen, da Goldmünzen zu wertvoll für den täglichen Geldverkehr waren.
Der Prägezeitraum der erzbischöflichen Gulden liegt zwischen 1410 und 1434.

Die 11. Münze ist ein Reichsgulden, eine Gegenprägung der deutschen Könige, erkennbar am aufgeprägten Reichsapfel.
Das Stück wurde unter König Sigismund (1411- 1437) ab 1418 geprägt.
Das Münzgold (einer der Münzen) hat einen Feingehalt leicht unter 22 Karat.

Die Groschenmünzen bestehen aus 10 Prager Groschen, geprägt ab Ende des 13. Jahrhunderts bis 1547, als der Taler die Groschenmünze verdrängte, sowie 3 Meißner Groschen, die nach dem Vorbild des Prager Groschen ab 1339 in Freiberg und anderen Münzorten in Sachsen und Thüringen geprägt wurden.

Die beträchtlichen Silberfunde am Kuttenberg in Böhmen sowie im sächsischen Erzgebirge erlaubten den Herrschern die Ausbringung dieser höherwertigen Münzen in großer Zahl.

Die Prager Groschen sind stark abgegriffen und kaum noch lesbar, ein Beleg für ihren langen Umlauf.

Besser erhalten sind die Meißener Groschen.
Sie zeigen den Meißener Löwen im Schild und sind Friedrich III. dem Strengen (1349-1381) sowie den Wettinischen Vettern Friedrich IV. der Streitbare von Meißen (1381-1428), Wilhelm II. von Meißen- Osterland (1371-1425) und Landgraf Friedrich IV. von Thüringen (1406-1440) zuzuordnen.
Diese prägten von 1412-1425 mit ihrem gemeinsamen Kürzel FWF beschriftete Münzen.

Die 7.426 silbernen Hohlpfennige, einseitig und sehr dünn ausgeprägte Münzen, weisen drei unterschiedliche Motive in fünf Varianten auf. Schriftzüge oder weitere Symbole sind bis auf ganz vereinzelte Belege auf ihnen nicht zu finden.
Es handelt sich um den brandenburgischen Adler mit Krallen, einen halben Adler mit 4 rautenförmigen Erhebungen, genannt Steine, sowie den Helm mit Helmbusch/-feder mit bzw. ohne Helmdecke.

Die Adlerhohlpfennige werden als markgräfliche Prägungen nach 1415 angesehen.
Die Helmbuschhohlpfennige stammen aus Berlin und Frankfurt/Oder und werden ebenfalls nach 1415 datiert.
Der halbe Adler mit Steinen, dem Stadtwappen von Stendal, wird als städtische Prägung aus Stendal auf nach 1369 datiert.

Der Feingehalt dieser Münzen war sehr gering und wurde im 15. Jahrhundert immer weiter verringert und lag um 1430 nur noch bei 375/1000.
Ihre Datierung ist aufgrund des geringen Informationsgehalts der Münzen nicht einfach, sie wurden vom Ende des 14. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts geprägt.
Die genannten Altlandsberger Münzen weisen mehrheitlich Merkmale der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts auf.

Beim Einfall der Hussiten in die Mark Brandenburg 1432 versuchten die Altlandsberger Bürger sich durch ein Lösegeld von der drohenden Zerstörung freizukaufen, dennoch soll die Stadt samt Stadtkirche und Kloster niedergebrannt worden sein.

Möglicherweise verbarg der Besitzer den Münzschatz entweder vor den drohenden Plünderungen oder vor den hohen Lösegeldforderungen. Genaue münzkundliche Untersuchungen der beträchtlichen Anzahl von Münzen werden hier präzisere Datierungen erbringen.

Das (nicht stabile) Wertverhältnis der Münzen untereinander ist 1 Gulden = ca. 21 Groschen, 1 Groschen = 10 Hohlpfennige, wobei besonders die Umrechnung von Gold zu Silber Schwankungen je nach Region unterlag.
Als Wertäquivalent für die Mitte des 15. Jahrhunderts kann ein Pfund Schweinefleisch für 14 Pfennige oder der Tagelohn eines Handwerksgesellen von 1 Groschen gelten.
Ein Porträtbild in Öl kostete 1-2 Gulden.
Diese Angaben sind äußerst schwankend und lassen kaum Vergleiche mit dem heutigen Geld-Ware-Verhältnis zu.

Der Ort der Verbergung der Münzen lag um 1430, entgegen der heutigen, eng umbauten Situation im Vorland der hier ca. 50 m entfernten mittelalterlichen Stadtmauer, ca. 100m links vom ehemaligen Bernauer Tor.
Die umgebende Torfschicht charakterisiert den ganzen heutigen Domänenhof als ehemaliges Sumpfgebiet, in welchem während der Baumaßnahmen nur vereinzelt mittelalterliche Harte Grauware gefunden wurde.
In diesem ehemals wohl mit Brennesseln, Sumpfpflanzen und Gebüsch bewachsenen Bereich ließ sich ein solcher Schatz verstecken, ohne dass eine baldige zufällige Auffindung zu erwarten war.

Erst 200 Jahre nach seiner Verbergung erfolgte durch massive Aufschüttung von Brandschutt aus der Altstadt eine Nutzbarmachung des Geländes für den neu errichteten Wirtschaftshof des Schwerinschen Schlosses.
Eine Schuttgrube sowie der Bau einer Holzwasserleitung aus dieser Zeit unmittelbar neben dem Schatzgefäß führten – zum Glück für die heutigen Finder – noch nicht zur Entdeckung der Münzen.

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Das Archäologiebüro ABD-Dressler führt seit 1996 kontinuierlich in den Ländern Brandenburg, Berlin, Niedersachsen und Bayern archäologische Prospektionen, Ausgrabungen, Baubegleitungen und baudenkmalpflegerische Arbeiten durch.

Mit unserem erfahrenen Team von sieben Archäologen sowie Technikern, Dokumentationsassistenten, Vermessern, Zeichnern, Fachstudenten und Grabungsfacharbeitern garantieren wir eine fachgerechte, flexible, termintreue und unkomplizierte Projektabwicklung.

Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung aus über 1000 Projekten, der engen Zusammenarbeit mit Architekten, Baufirmen, kommunalen Verwaltungen sowie den guten Kontakten zu den Denkmalschutzbehörden erfüllen wir den Wunsch des Bauherrn nach einer schnellen und preiswerten Durchführung seines Auftrags.



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